Sehr geehrter Patient, sehr geehrte Patientin,
da die Weisheitszähne bei vielen Patienten nicht komplikationslos durchbrechen können, wird sehr häufig zu deren Extraktion geraten. In der Regel ist der Kiefer nicht so weit entwickelt, dass sie sich problemlos in die Zahnreihe eingliedern können, und so führt dies häufig dazu, dass sie ganz im Knochen steckenbleiben (Retention) oder nur zum Teil durchbrechen (Teilretention).
Auf diesem Bogen klären wir Sie darüber auf, wie die Weisheitszahnentfernung durchgeführt wird und welche eventuellen Nebenwirkungen oder Komplikationen auftreten können.
1. Gründe für die Extraktion
- Der Knochen bzw. die Schleimhaut in der Region des Weisheitszahnes sind stark entzündet, die Zahnfleischtaschen sind vertieft und es tritt Eiter aus (Dentitio difficilis)
- Der Weisheitszahn hat eine Entzündung der Wurzel ausgebildet, ist von einer Zyste umgeben oder hat eine tiefe Karies, die nicht mehr mit einer Füllung versorgt werden kann
- Die Gefahr einer Schädigung des Nachbarzahnes durch eine starke vorhandene Entzündung oder eine ungünstige Durchbruchsrichtung des Weisheitszahnes ist sehr groß
- Der Zahn verursacht Schmerzen, die in andere Gesichtsregionen ausstrahlen können (Neuralgien)
- Durch den Weisheitszahn entsteht ein Druck auf die Zahnreihe, wodurch der Erfolg einer vorangegangenen kieferorthopädischen Behandlung gefährdet werden kann.
- Der Weisheitszahn stört bei einer geplanten anstehenden Behandlung (vor einer prothetischen Neuversorgung, Kieferorthopädie oder einem chirurgischen Eingriff)
2. Die Durchführung des Eingriffes:
Die Weisheitszahnentfernung wird in der Regel in örtlicher Betäubung durchgeführt. Anschließend muss der betroffene Zahn – wenn dieser noch nicht durch die Schleimhaut durchgebrochen ist – freigelegt werden, d.h. die ihn bedeckende Schleimhaut wird eingeschnitten und über dem Kiefer abgelöst. Der Kieferknochen wird nun mit dem Bohrer abgetragen, bis der Weisheitszahn gut sichtbar vor dem Behandler liegt.
Jetzt kann dieser mit einer Zange oder einem Hebel gefasst und in einem oder mehreren Teilen entfernt werden. Die Wunde wird abschließend vernäht und im Unterkiefer in der Regel ein Medikamentenstreifen eingelegt. Da der Oberkieferweisheitszahn oft in der Nähe der Kieferhöhle zu finden ist, muss die Wundhöhle nach der Entfernung dicht verschlossen werden, um eine Entzündung der Kieferhöhle durch Eindringen von Mundhöhlenkeimen zu verhindern
3. Mögliche Komplikationen und Nebenwirkungen
Allgemeine Nebenwirkungen:
Schmerzen nach Abklingen der Anästhesie, Wangenschwellungen, sowie Nachblutungen, Schluckbeschwerden, Störungen der Wundheilung, leichtes Fieber bis 38,5° oder eine Kieferklemme nach der Operation klingen in der Regel nach ein paar Tagen von selbst wieder ab und sind kein Grund zur Beunruhigung. Falls diese auftreten, können sie durch geeignete Medikamente (Schmerzmittel,…) und Spüllösungen gelindert werden. Selten treten auch stärkere Nachblutungen oder Wundheilungsstörungen auf, die ggf. mit Antibiotika behandelt werden sollten. In sehr seltenen Fällen kann es – v.a. bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem – auch zu einer Knochenentzündung kommen.
Die meisten Patienten kennen evtl. vorhandene Überempfindlichkeiten auf Betäubungsmittel oder Antibiotika. Allergische Reaktion können so nach vorheriger Absprache mit dem Patienten vermieden werden.
Bei der Operation können Nachbarzähne geschädigt oder zahntragende Knochenanteile abgebrochen werden. Durch die Entfernung von Knochensubstanz im Unterkiefer kommt es in dieser Region zu einer Schwächung desselben, was während der Operation und auch danach durch ungünstige Belastung zu einem Unterkieferbruch führen kann. Diese Komplikation heilt jedoch bei adäquater Behandlung schnell und komplikationslos wieder aus.
Außerdem kann im Unterkiefer der Zungennerv, der an der Innenseite des Unterkiefers verläuft, geschädigt werden und dadurch ein meist vorübergehendes Taubheitsgefühl der Zunge oder Geschmacksstörungen zurücklassen. Bei vollständig im Kiefer steckenden Weisheitszähnen kann bei der Entfernung außerdem der Nervkanal eröffnet und der darin befindliche Nerv geschädigt werden, was zu einem Taubheitsbefühl der Unterlippe, der Schleimhaut und der Zähne führen kann. Derartige Gefühlsstörungen können entsprechend auch durch eine Schädigung der Oberkiefernerven ausgelöst werden. Auch diese Symptome sind in der Regel vorübergehend und treten eher selten auf.
Je nach Form und Ausprägung der vorhandenen Wurzeln des betroffenen Zahnes können diese abbrechen und in die Weichteile oder – im Oberkiefer – in die Kieferhöhle abrutschen. Werden diese nicht vollständig entfernt, können Entzündungen und nachfolgende Behandlungen mit Antibiotika bzw. weitere Operationen die Folge sein.